- Übergangssystem
- Übergangsmanagement
- Jugendberufsagentur Hamburg
- Berufsorientierung
- Ausbildungs- und Berufsvorbereitung
- Geförderte Ausbildung
- Duale Ausbildung
- Schulische Berufs(aus-)bildung
- Weitere Ausbildungswege
- Hochschulbildung
- Modularisierung in Hamburg und Europa
Übergangssystem
Grundlagen
Der Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. in den Beruf gestaltet sich für viele junge Menschen zunehmend schwierig. Ein erheblicher Teil der Jugendlichen gelangt nicht direkt in die Ausbildung, sondern mündet nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule zunächst in das sogenannte Übergangssystem ein.
Nach der Definition des Nationalen Bildungsberichts 2006 zählen zum beruflichen Übergangssystem „(Aus-)Bildungsangebote, die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen" (Hrsg. Konsortium Bildungsberichterstattung, S. 79). Darunter fallen auch "teilqualifizierende Angebote, die auf eine anschließende Ausbildung als erstes Jahr angerechnet werden können oder Voraussetzung zur Aufnahme einer vollqualifizierenden Ausbildung sind", ergänzt der Nationale Bildungsbericht 2008 die Definition (Hrsg. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, S. 99). Im Berufsbildungsbericht 2012 spricht die Bundesregierung erstmalig vom "Übergangsbereich". Auf den folgenden Seiten wird jedoch weiterhin der Begriff "Übergangssystem" verwendet.
Das berufliche Übergangssystem ist in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet worden. Im nationalen Bildungsbericht 2006 wird es aufgrund seiner quantitativen Bedeutung erstmals als dritte Säule im Berufsbildungssystem bezeichnet.
Als Gründe für die beträchtliche Ausweitung des Übergangssystems werden häufig sowohl eine stark gestiegene Zahl an Schulabgänger/-innen bei rückläufigem Lehrstellenangebot als auch eine zu niedrige Qualifikation bei ansteigenden Anforderungen in der Ausbildung genannt. Insbesondere Schulabgänger/-innen ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss schaffen es nur selten, unmittelbar nach Schulende eine reguläre Ausbildung zu beginnen. Zu ihnen gehören Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, also mit sozialen oder Lernschwierigkeiten, mit Migrationshintergrund oder auch mit Behinderungen. Zunehmend schaffen auch Jugendliche mit schlechteren Realschulabschlüssen nicht mehr den direkten Weg in die Ausbildung.
Die Quantität des Übergangssystems wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt, jedoch wird eine fehlende Abstimmung der vielfältigen Angebote und verschiedenen Programme kritisiert, weil dadurch immer wieder Jugendliche in unnötigen Warteschleifen verweilen oder inhaltlich gleiche Maßnahmen ohne Anschlussperspektive durchlaufen.
Im November 2009 kündigte Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan bei einem Pressegespräch im BIBB an, dass das Übergangssystem neu strukturiert und effizienter gestaltet werden soll, z. B. durch den Ausbau der frühzeitigen Berufsorientierung in der Schule sowie eine bessere Verzahnung von Schule, Übergangsbereich und Berufsausbildung. Zur Erreichung dieser Ziele wurden in der Folge etliche Bundes- und Landesprogramme zur Optimierung des Übergangssystems gefördert und Initiativen ins Leben gerufen, wie z. B. "Übergänge mit System" der Bertelsmann Stiftung, die sich dafür einsetzt, "allen ausbildungswilligen Jugendlichen an der Schwelle zwischen Schule und Beruf ohne Zeitverlust zwei Wege zum Abschluss einer Berufsausbildung anzubieten" oder auch das 2010 gegründete "Arbeitsbündnis Jugend und Beruf" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, das bundesweit die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Rechtskreise des SGB II, III und VIII verbessern soll.
Bei allen Bestrebungen zur Optimierung des Übergangssystems gewann der Ansatz der "Kommunalen Koordinierung" an Bedeutung, deren Ziel die "kommunal verantwortete Bündelung und Abstimmung von Aktivitäten, die Herstellung von Transparenz und die Entwicklung und Anwendung gemeinsam vereinbarter Qualitätsstandards für den Bereich des Übergangs von der Schule in Beruf und Arbeitswelt" (Weinheimer Erklärung 2007) ist.
Weiterführende Links
- Der BIBB Report vom Bundesinstitut für Berufsbildung: Beschäftigt sich im Heft 11 in 2009 ausschließlich mit dem Thema "Übergangssystem: Entwicklungen und Einschätzungen" und gibt einen fundierten Überblick.
- "Politische Gestaltung des kommunalen Übergangsmanagements an der Passsage von der Schule in die Arbeitswelt": Dokumentation eines Expertenworkshops von Rolf Dobischat und Gertrud Kühnlein im Auftrag der Abteilung Witschaft und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Heft "WISO Diskurs", Juni 2009
- "Leitfaden lokales Übergangsmanagement": Von der Problemdiagnose zur praktischen Umsetzung. Das Handbuch gibt einen Überblick über Bedarfe, Akteure und Instrumente im Übergangsmanagement. Bertelsmannstiftung (Hrsg.) 2007.
- Weinheimer Initiative : Die Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative ist ein Zusammenschluss von über 20 Städten und Landkreisen und weiteren Akteuren. Sie versteht sich als Anwältin für kommunalpolitische und bürgerschaftliche Übernahme von Verantwortung - insbesondere beim Thema Jugendbildung. Jährlich veranstaltet die Initiative bundesweite Fachtagungen. Auf der Homepage werden die Dokumentationenhierzu veröffentlicht.
- Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Weiterentwicklung kommunalen Managements am Übergang Schule-Beruf: benachteiligungssensibel-chanchengerecht-inklusiv vom 27.09.2011





